Musikwissenschaftler

 
 
Dr. Sebastian Urmoneit
Die historische Musikwissenschaft steht zwischen Skylla und Charybdis: frei nach Schönberg formuliert zwischen der Feststellung, wie eine Komposition gemacht worden ist, und der Erkenntnis, was sie ist. Doch wer den Sinn einer Komposition wissenschaftlich und nicht einfühlend oder frei assoziativ ergründen will, kann m. E. nicht anders vorgehen, als zu versuchen, sie durch die Arbeit am Notentext zu verstehen, was sie ist.
Auf diese gedankliche Fährte haben mich meine Lehrer während des Studiums der Musikwissenschaft an der TU und der UdK Berlin geführt, vor allem wären Dahlhaus, Poos, Gülke, Fladt, Budde und Beyer zu nennen, aber auch die Philosophieprofessoren an der TU und FU Berlin Hubig, Poser und Theunissen.
Meine Magisterarbeit, „Studien zur Mehrfachvertonung von ‚Nur wer die Sehnsucht kennt’ aus Goethes Wilhelm Meister“ legte den Grundstein zu meiner Art des Denkens über Musik. In meiner Doktorarbeit „Tristan und Isolde – Eros und Thanatos. Zur ‘dichterischen Deutlichkeit’ der Harmonik Richard Wagners“, die von 1995 bis 1997 durch ein Nafög-Stipendium gefördert wurde, vertiefte ich meine Einsichten in das Verhältnis von Konstruktion und Sinn.

Von 2002 bis 2004 war ich Lehrbeauftragter an der TU Berlin im Fachgebiet Musikwissenschaft. In dieser Zeit verfaßte ich auch den musiktheoretischen Kommentar zur Heinse-Nachlass-Edition. 2007 war ich als künstlerisch–wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz tätig.

Als meine wichtigsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen möchte ich anführen:
„Mignons Sehnsuchtslied“, in: Musik-Konzepte 75 (Hugo Wolf), München 1992, S. 37 – 66.
„Untersuchungen zu Schuberts Klavierlied ‘Der Tod und das Mädchen’”, in: Musik-Konzepte 97/98 (Franz Schubert „Todesmusik“,
München 1997, S. 44 – 65.
„Musik und Individualität: Die Tristanharmonik als philosophische Ideenreihe“, in: Individualität in der Musik, hg. v. O. Schwab-Felisch,
C. Thorau und M. Polth, Metzler-Verlag Stuttgart, S. 257 – 271.
„Mignons Sehnsucht. Ein Versuch über Goethe, Zelter und Schubert“, in: Schubert: Perspektiven, 2. Jg. 2002, Heft 1,
Franz Steiner Verlag Stuttgart 2002, S. 22 – 56.
„Von der grammatischen Lesung zur geistesgeschichtlichen Interpretation. Ein Versuch über den Musikwissenschaftler Heinrich Poos“, in:
Musikalische Struktur und Geschichte. Zum Werk des Komponisten und Musikwissenschaftlers Heinrich Poos, hg. v. O. Fürbeth, S. 115 – 128.
„Tristan und Isolde – Eros und Thanatos. Zur ‚dichterischen Deutlichkeit’ der Harmonik von Richard Wagners „Handlung“ Tristan und Isolde“.
Sinzig 2005 = Veröffentlichung der Dissertation.
„Die Tendenz aller reinen Instrumentalmusik zur Philosophie. Über Schlegels Athenäums-Fragment Nr. 444“, in: Darstellung und Erkenntnis.
Beiträge zur Rolle nichtpropositionaler Erkenntnisformen in der deutschen Philosophie und Literatur nach Kant, hg. v. B. Bowman,
Paderborn 2007, S. 241 – 255.
„Musik und Mythos in Wagners ,Tristan und Isolde’ - Ein Versuch"
in: Bayreuther Festspiele 2008, S. 66–77 (dazu je eine Übersetzung in englischer und französischer Sprache von fremder Hand: S. 78–89 bzw. S. 90–102).

Forschungsschwerpunkte und Interessengebiete:
Musikwissenschaft: Musikalische Hermeneutik. Musik und Literatur. Musik und Philosophie.
Musiktheorie: Toposforschung, Romantische Harmonik, Theorie der Sonatenhauptsatzform.

 

 
 


Werkeinführungen für Programmhefte